Sonder-Preis | Die Nominierten

Die Nominierten für den “Sonder-Preis” für die Leistungen der Jahre 2012-2014 sind:

Johannes Behr aus Bergeborbeck – Jahrgang 1997

Foto: Elke Brochhagen, Stadtbildstelle

Bereits zum vierten Mal in Folge wurde Johannes deutscher Jugendmeister im Gehörlosen-Tennis. Ebenfalls in Folge wurde er NRW Meister bei den Herren in der offenen Altersklasse. Er ist bereits fest im deutschen Nationalkader im Tennis etabliert, der mit drei Goldmedaillen bei den Deaflympics 2013 in Sofia – den offiziellen olympischen Spielen der Gehörlosen – das herausragende Ergebnis für Deutschland erzielte. Johannes wurde in die Nachwuchseliteförderung der deutschen Sporthilfe aufgenommen. Johannes war zudem als einziger behinderter Sportler für die “Night of the Sports” in Essen sowie auf der Sportgala in Düsseldorf als Newcomer im Behindertensport NRW nominiert. Neben dem Tennis konnte er auch mit seiner integrativen Fußballmannschaft sportliche Erfolge verbuchen. Im Rahmen der Sportmeisterehrung wurde er bereits durch Oberbürgermeister Reinhard Paß im Rathaus Essen nominiert. Obwohl Johannes taub geboren wurde, kann er durch ein Cl-Implantat (elektronische Innenohr-Prothese) Töne wahrnehmen und durch tägliches Musizieren seine akustische Wahrnehmung verbessern. Er spielt gut Klavier, obwohl es umstritten ist, dass musikalische Wahrnehmungen sowie Interpretationen mit einer Hörprothese möglich sind. Zwischenzeitlich arbeitet Johannes zusammen mit der Medizinischen Hochschule Hannover sowie mit Komponisten der Musikhochschule an einem Projekt. Gemeinsam versuchen sie spezielle Musik für hörgeschädigte Menschen und Cl-Träger zu komponieren.

 

Iman Ahmed Hassan aus Altendorf – Jahrgang 1987

Foto: Elke Brochhagen, Stadtbildstelle

Iman kommt aus einer syrisch-libanesischen Familie und hat als Ehrenamtliche beim diesjährigen Internationalen Jugendtreffen der Essener Partnerstädte mitgearbeitet. Nur durch ihre Vermittlung und Vertrauensposition innerhalb der libanesischen Community konnten von dort zwei Mädchen teilnehmen, denen es sonst nicht erlaubt worden wäre. Iman ist trotz ihrer schwierigen Lebensumstände, aufgrund der Familiengeschichte und des Aufenthaltsstatus, ein positiver und kraftvoller Mensch, der sich sehr für andere einsetzt. Sie engagiert sich auch in ihrem Stadtteil und leitet dort unter anderem verschiedene Mädchengruppen. Mit ihrem eigenen Migrationshintergrund ist sie dabei Vorbild und Identifikationsfigur und trägt als Mittlerin zwischen den Kulturen zu einem besseren interkulturellen Verständnis bei.

 

 

 

Maximilian Waldvogel aus Werden – Jahrgang 1997

Foto: Elke Brochhagen, Stadtbildstelle

Der Umweltschutz ist Maximilian ein sehr großes Anliegen. Er engagiert sich seit mehr als drei Jahren ehrenamtlich und in Eigeninitiative um die Sauberkeit in den Stadtteilen Essen-Werden, -Heidhausen und -Fischlaken. So befreit er beispielsweise die Brehminsel, das Ruhrufer oder auch das Wäldchen an der Hammer Straße von Dreck und Müll. Auch nach der Absenkung des Baldeneysees war er zur Stelle und half bei der Säuberung des Sees von Müll und Unrat. Er hilft, wo Hilfe gebraucht wird. Als der Sturm ELA wütete, ging Maximilian noch in der Nacht, nach Abklingen des Sturms, auf die Straße, um mitzuhelfen, diese von Bäumen und Ästen zu befreien und sie wieder sicher zu machen. Er trat der facebook-Gruppe “Essen-packt-an” bei und half mit, die Sturmfolgen zu beseitigen. Bei seinen Aktionen hat er immer einen besonderen Blick für gefährliche Situationen oder solche, die es werden könnten und reagiert entsprechend, indem er die zuständigen Stellen informiert. So fand er bereits Weltkriegs-Bomben oder auch mal ein altes Gewehr. Im August hat er seine Ausbildung bei Straßen NRW in Dortmund begonnen, die ihm nicht mehr die Fülle an Freizeit gibt. Dennoch verbringt er besonders seine Wochenenden damit, die Umwelt für uns alle ein wenig sauberer zu machen.

 

Die “engagierten Jungs” aus Altendorf

Foto: Elke Brochhagen, Stadtbildstelle

Sie sind in Essen geboren. Ihre Eltern stammen aus dem Libanon und aus der Türkei. Anstatt zur Schule zu gehen, standen Zerstörungswut und Gewalt auf dem Stundenplan. Als sie aus einem gerade neu gestalteten Spielplatz in Altendorf Kleinholz machten und dabei erwischt wurden, hatten sie dennoch Glück, denn es gab Khaled Saado. Der arabische Konfliktvermittler vom Essener Jugendamt schlug vor, unter fachkundiger Anleitung den Schaden wieder gut zu machen. Und so brachten sie den Spielplatz gemeinsam mit Grün und Gruga wieder auf Vordermann. Da ihr großes Engagement, mit dem sie den Spielplatz wieder in Schuss brachten, aufgefallen war, machten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Stadtteilprojektes Altendorf den Jugendlichen ein Betreuungsangebot, bei dem gemeinsame Aktivitäten auf dem Programm standen. Die “engagierten Jungs“ waren geboren. Diese werden seit 2009 durch Mitarbeiter und Honorarkräfte der Fachgruppe “Integrationsmanagement“ des Jugendamtes Essen im Rahmen des integrativen Handlungskonzeptes “Chancen bieten, Grenzen setzten“ begleitet und angeleitet. Im selben Jahr wurde die Gruppe für ihren vorbildlichen Einsatz für ein friedliches und gewaltfreies Zusammenleben mit dem “Goldenen Hammer” des Landesjugendrings ausgezeichnet. Bis heute haben zirka 30 Jugendliche an dem Projekt teilgenommen. Ihr ehrenamtliches Engagement hat sich inzwischen über die Stadtteilgrenzen Altendorfs herumgesprochen und die Aufmerksamkeit einer Essener Stiftung auf die “Engagierten Jungs“ gelenkt. Diese finanzierte der Gruppe im Jahr 2012 zur Belohnung ihrer Arbeit eine Freizeit in Holland. Für viele Teilnehmer eine Premiere, da viele von ihnen in Deutschland nur geduldet sind und daher eine Residenzpflicht haben. Die Gruppe setzt sich auch kritisch mit Teilen ihrer Comunity auseinander. Mit ihrem Engagement wollen sie dazu beitragen, dass die Stadtgesellschaft ein differenzierteres Bild libanesischen Lebens in Essen erhält und den Ruf in ihrem Stadtteil verbessern.

 

Die komplette Pressemitteilung finden Sie hier.